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Titel: INSM-Kampagne
für die private Pflegeversicherung – diesmal mittels einer manipulierten
Forsa-Umfrage?
„Die Kosten für die
Pflege älterer Menschen werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten rapide
(!) ansteigen. Die Pflegeversicherung wird bei den aktuellen Beitragssätzen
dann jedoch nur noch einen Bruchteil (!) dieser Kosten übernehmen können.“
Wären Sie unter diesen Umständen bereit, „einen Betrag von
bis zu maximal 20 Euro zusätzlich im Monat zu bezahlen, um im Alter als
Pflegefall finanziell abgesichert zu sein“? So leitet das Forsa-Meinungsforschungsinstitut
seine Umfrage „Meinungen zur Pflegeversicherung“ ein [PDF - 84 KB].
Bei dieser katastrophalen Aussicht für die gesetzliche Pflegeversicherung
müssten Sie schon ziemlich arm dran oder ziemlich dämlich sein, wenn Sie darauf
nicht mit „Ja“ antworten würden.
So haben das auch zwei Drittel der im Auftrag der INSM von
Forsa Befragten getan und die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ macht
daraus die Schlagzeile: „Drei
von vier Bundesbürger würden lieber privat für das Pflegefallrisiko vorsorgen.“
Suggestiver kann man eine Umfrage zu einem erwünschten
Ergebnis kaum formulieren und plumper kann man eine Kampagne für die private
Pflegeversicherung kaum betreiben.
Das Umfrageinstitut Forsa braucht offenbar neue Finanzquellen und hat die INSM
gefunden.
Nachdem dem der fühere „Haus- und Hofdemoskop Gerhard Schröders“ (Christoph
Schwennicke, Süddeutsche Zeitung) Manfred Güllner offenbar weder vom
Bundeskanzleramt noch von der SPD weiter profitable Aufträge in Aussicht hat,
musste der Forsa-Chef eben neue Auftraggeber akquirieren.
Güllner und seine Meinungsbefragungsfirma Forsa sind ja nicht
gerade unverdächtig, dass sie ihre Umfragen schon mal für politische Zwecke
instrumentalisieren lassen und dass Güllner stramm auf Schröders neoliberalen
Agenda-Kurs stand und dafür Stimmung
machte steht ohnehin außer Zweifel.
Was lag da näher als gleich bei einer der finanzträchtigsten
neoliberalen Propagandaagentur, der INSM, anzuheuern, und für deren Kampagne
für die Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme Stimmung zu machen.
Als Visitenkarte dienten Güllner dabei sicherlich seine
nachträglichen Freundschaftsdienste für seinen Spezi Gerhard Schröder, indem er
diesen zwei Jahre nach seiner Abwahl in der BILD-Zeitung quasi zum legendären
Arbeiterführer erklärte: „Arbeiter
wollen Schröder“. Und um das Heldenbild von Gerhard Schröder noch auf einen
höheren Sockel zu stellen, musste der dritte in seiner Nachfolge als
SPD-Vorsitzender, Kurt Beck, per Forsa-Umfrage noch unter
das „Scharping-Niveau“ erfragt werden.
Um sich die Eintrittskarte im konservativen Umfeld aber vollends
zu ergattern, erklärte Güllner dann noch der taz: „Die
Republik war noch nie so schwarz wie heute“.
Damit war Güllner endgültig auf dem Gossenniveau angekommen, damit
ihn auch die INSM für ihre PR-Zwecke einsetzen konnte. Und was lag da näher als
wieder einmal mit einer Meinungsumfrage einen Event für ihre Kampagne zur
Privatisierung der Pflegeversicherung zu schaffen?
Weil derzeit eine Anhebung des Pflegeversicherungsbeitrags von 1,7
um 0,4 bis 0,7 Prozent im Gespräch ist, konnte die INSM mit dieser Umfrage unter
Umgehung der Prozentrechnung und deren sozialer Ausgleichsfunktion auch gleich
noch eine Kopfpauschale von 20 Euro für Alle für die Pflegevorsorge als
mehrheitsfähig in die öffentliche Debatte einschleusen.
Damit verleiht die INSM der gekauften „wissenschaftlichen“ Studie
eines der wohlfeilen Mietmaul-Professoren, die unlängst in die Öffentlichkeit
lanciert wurde, auch noch das Image, als würde die „dringend notwendige“
Privatisierung der Pflegeversicherung auch noch von der vox populi begrüßt.
Viel durchsichtiger kann man eigentlich Propaganda und politische
Agitation nicht stricken, aber man kann gewiss sein, dass ein beachtlicher Teil
unserer Papagei-Journalisten darüber wieder einmal ohne jegliche kritische
Distanz berichten wird.
Und den NachDenkSeiten wird sicher ob dieses Blicks hinter die
Kulissen der Meinungsmache wieder einmal der Vorwurf gemacht werden, wir seien
Verschwörungstheoretiker.