Bildung schützt vor Hungerlohn? Diese Gleichung geht nicht mehr
auf. Gut drei Viertel aller Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland haben eine
abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss. Das ist
eins der bedrückenden Ergebnisse einer neuen Studie des Instituts Arbeit und
Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen, die erstmal Zahlen für 2006
vorlegt.
"Niedriglöhne haben den Kern der Beschäftigten erreicht", sagen
die beiden Autoren der Studie, Claudia Weinkopf und Thorsten Kalina. Die hohe
Zahl Ausgebildeter unter den Geringverdienern sei "umso gravierender, als die
Chance, aus einem Niedriglohnjob in besser bezahlte Beschäftigung zu kommen,
hierzulande besonders gering ist".
Im Vergleich zu Dänemark, Frankreich und den Niederlanden hat
Deutschland inzwischen den höchsten Niedriglohnanteil. Das war nicht immer so.
Aber seit 1995 ist der Anteil der Niedriglöhner an allen abhängig Beschäftigten
um gut 43 Prozent gestiegen.
Nach internationalen Standards gilt ein
Bruttolohn als Niedriglohn, wenn er geringer ist als zwei Drittel des nationalen
Durchschnittslohns. Im Jahr 2006 arbeiteten in Deutschland 6,5 Millionen
Menschen zu solchen Konditionen - das sind 22 Prozent der Beschäftigten. Wie die
Studie aufzeigt, sind vor allem Minijobber, Junge, Frauen und Ausländer
betroffen.
Im Durchschnitt erhielten die Geringverdiener im Jahr 2006
Bruttostundenlöhne von 7,12 Euro in West- und 5,43 Euro in Ostdeutschland. Das
sei sogar etwas weniger gewesen als 2005. Etwas mehr als die Hälfte der
Geringverdienender arbeitete in Teilzeit- und Minijobs, ermittelte das
IAQ.
"Das Argument, dass niedrige Löhne bei Minijobs kein Problem seien,
weil die Betroffenen häufig anderweitig abgesichert seien, greift zu kurz",
sagen Weinkopf und Kalina, weil es sich nur auf die Minijobber selbst beziehe.
Durch Minijobs, Zeitarbeit oder Auslagerung von Arbeit in Branchen ohne
Tarifbindung sei aber das "gesamte Lohngefüge unter Druck geraten".
Die
rot-grüne Regierung hat 2003 mit gesetzlichen Regelungen sogar die Ausweitung
der Minijobs begünstigt und damit die Schleusen für Lohndumping noch weiter
geöffnet.
Grundlage des IAQ-Reports sind die Daten des Sozio-ökonomischen
Panels (Soep) von 2006. Das Soep ist eine Wiederholungsbefragung, die das
Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung alljährlich durchführt.
http://www.iaq.uni-due.de/
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erstellt am 04.02.2008 um 17:16:01 Uhr
Letzte Änderung am 04.02.2008 um
18:52:29 Uhr
Erscheinungsdatum 05.02.2008
